Wer hat die besten Wett-Ideen? Vom 7. März bis 14. November 2004 stritten auf der TURFTREFF-Internetseite die Redaktionen verschiedener Internet-Seiten aus dem Bereich des Galopprennsports 37 Wochen lang an jedem Sonntag um die besten Vorhersagen. Analog den bekannten Aktien-Depots in den einschlägigen Wirtschaftsmagazinen starteten alle Teilnehmer mit einem Budget von 10000 Euro. Jeweils bis Sonntag, 12.00 Uhr, wurden alle Wettvorschläge veröffentlicht. Ein Auszug aus den Spielregeln

 

1. Das Turftreff WETT-DEPOT ist ein virtueller Wettstreit zwischen den Redaktionen verschiedener Internet-Seiten um die besten Wett-Tipps zu den sportlich interessantesten Galopprennen in Deutschland.


2. Das Turftreff WETT-DEPOT ist ein Spiel. Alle Wettvorschläge werden nicht auf der Rennbahn oder beim Buchmacher abgegeben.

5. Analog den Aktien-Depots, wie sie in den einschlägigen Wirtschaftsmagazinen veröffentlicht werden, startet jeder Depot-Inhaber mit einem Betrag von 10.000 Euro.

6. Pro Renntag darf jeder Depot-Inhaber für maximal 1000 Euro in maximal drei verschiedenen Rennen wetten.

7. Pro Renntag muss jeder Depot-Inhaber für mindestens 100 Euro in mindestens einem Rennen wetten. Veröffentlicht ein Depot-Inhaber für einen Renntag keine Wettvorschläge oder solche für weniger als 100 Euro, wird der an 100 Euro fehlende Wetteinsatz als Wett-Niete verrechnet.

Ausgenommen von dieser Regelung sind während der Laufzeit des Spiels maximal zwei Renntage ("Urlaub"), an denen die Nichtveröffentlichung von Wettvorschlägen nicht mit Wettnieten verrechnet wird.
Die Verrechnung von etwaigen Wettnieten erfolgt aus technischen Gründen am Ende des Spiels.

9. Gewettet werden können folgende Wettarten:
- Sieg, Platz, Platzzwilling (mit einen Grundeinsatz von mindestens 2,50 Euro)
- Zweierwette, Dreierwette (mit einem Grundeinsatz von mindestens 1,50 Euro)

10. Maßgeblich für die Auswertung sind die Quoten des Bahntotalisators. Wird eine Wette auf der Bahn nicht getroffen, so wird der richtige Wettvorschlag im Turftreff WETT-DEPOT mit 50.000:10 gewertet.

12. Jener Teilnehmer, dessen Wett-Depot nach dem Renntag am 14. November 2004 den höchsten Betrag aufweist, ist der Turftreff-Wettkönig der Galopprennsaison 2004.

 

Kann man beim Pferdewetten letztendlich doch nur verlieren? Auf den ersten Blick mag es so aussehen, wenn man das Endergebnis dieses Wettbewerbs betrachtet. Kein Depot konnte das Startkapital von 10000 Euro vermehren; gleich drei von sechs Teilnehmern reduzierten ihr Wettguthaben um mehr als die Hälfte.

Es war ein richtiges Reality-Spiel. Wetten live! Nicht nur einen Sieger herauspicken wie die Fachzeitung, oder eine einzelne Dreierwette, wie es oft die örtliche Zeitung macht. Nein, es war Wetten „wie im richtigen Leben“ ... mit allen Möglichkeiten: Spielt man den Außenseiter-Tip Sieg/Platz oder als Stellpferd in der Zweier- oder Dreierwette? Oder setzt man lieber auf den sicheren Favoriten, der mit einer 13er Platzquote auch 30% Rendite bringt. Oder, oder, oder? Knallhart wurde jeden Sonntag abgerechnet.

Nur in zwei Dingen hat sich das Turftreff WETT-DEPOT vom „richtigen“ Wetten unterschieden: Keiner hat mit seinen Wettvorschlägen die Quoten beeinflusst. Und es sollte - im Sinne eines Wettbewerbs mit gleichen Voraussetzungen – immer in drei Rennen pro Sonntag gewettet werden.

So werden – gemäß Absatz 7 der Spielregeln - in der Endabrechung auch „Wettnieten“ bei denjenigen Depots hinzugerechnet, die an mehr als zwei Sonntagen bei der Abgabe der Wett-Tips „geschwänzt“ haben. Die derart korrigierte Tabelle folgt am Ende.

Was nehmen wir nun mit aus diesem 37 Wochen-Wettbewerb ... an Erfahrung, vielleicht auch an Hoffnung?

1. Die Sieg-Platz-Wetter haben es offensichtlich leichter. Depot 2 (Turftreff.de), der Sieger des Wettbewerbs, hat vorrangig Sieg und Platz getippt. Bei einer Verlustquote von – 5,9 % kann man sagen: die Turftreffler kann man mit voller Geldbörse auf die Rennbahn lassen; sie werden nicht ihr Vermögen verspielen; sie werden aber auch nicht mit einem dicken Gewinn nach Hause kommen. Ein paar Euro mehr hätte dieses Depot noch verdient, wenn es einige Sieger zum Festkurs hätte spielen können. Lam Roi am letzten Sonntag (14.11.) war so ein Beispiel. Die Bookies gaben mittags noch über 100:10 Festkurs, auf der Bahn gab es magere 59:10.

2. Mit Dreierwetten kann man reich werden – aber nur dann, wenn man ... a) nicht die „Seuche“ hat und ... b) auch mal richtig „dicke Dinger“ trifft. Bei den Depots 1 (Galopp3000.de) und 5 (Galopprennen.info) konnte man schon von einer „Pechsträhne“ sprechen: Bei den vielen gespielten Dreierwetten lagen diese Depots entweder „daneben“ oder – wenn man dann schon getroffen hatte – mussten eine relativ kleine Quote akzeptieren.

3. Wer „Nerven wie Drahtseile“ hat, der kann natürlich immer auf die krassen Außenseiter setzen. Es wird nicht oft getroffen, aber wenn, dann richtig. Depot 3 (Turfnachrichten.de) ist „aus solchem Holz geschnitzt“. Mit dem sagenhaften Platzzwilling-Treffer im Herbst hätte dieses Depot zwischenzeitlich fast das ganze Feld von hinten aufgerollt. Noch ein solcher Treffer und dieses Depot wäre am Ende ganz vorn gewesen. Einen Haken hat die Sache: Mit ähnlichen Einsätzen, wie sie Turfnachrichten.de auf Außenseiter gespielt hat, wären die Bahnquoten auf diese Pferde ganz schön in den Keller gegangen ...

4. Kein schlechter Ansatz ist es, mit „kleinen“ Trainern zu sympathisieren. Aber nur, wenn diese auch ab und zu erfolgreich sind. Die Pferde dieser Trainer zahlen oft bessere Quoten. Depot 4 (Rennstall.net) hat uns das schön vorgeführt. Mit Norbert Sauer-Pferden lag dieses Depot oft richtig, auch mit Wolfgang Gülcher- oder Sarah Weis-Galoppern war man manchmal gut dabei oder doch nur knapp daneben. Erinnern wir uns noch an den tollen Tipp mit Montaja gleich am ersten Spieltag (7.3.). Nur hat Depot 4 unglücklicherweise die Siegwette nicht gespielt, stattdessen den Einlauf I/II gegen alle. Und dann kam der heiße Favorit als Zweiter ein.

5. Kein guter Ansatz scheint es zu sein, die Einsätze zu erhöhen, wenn man hinten liegt. Fast alle Depots haben zum Ende des Spiels höher gespielt, um noch aufzuholen. Und gerade dann ging es schief. Na ja: gut, dass es nur ein Spiel war. Und da war es letztlich legitim, noch einmal alles auf eine Karte zu setzen.

6. Vielleicht ist es ein guter Rat, dann hoch zu wetten (oder überhaupt zu wetten), wenn man ein gutes Gefühl hat. Und das hat man – das wissen wir doch alle - nicht jeden Tag. An ein „gutes Gefühl“ erinnert sich die Turftreff-Redaktion bei Shirocco im Derby und hat dieses Pferd auch entsprechend hoch gespielt. Das war die halbe Miete für den Gesamtsieg.

7. Die Spielregeln gaben es vor, drei Rennen an jedem Sonntag zu wetten. Auch das ist eine Ursache für Wettverluste. Denn wer hat schon immer gute Wett-Tips in DREI Rennen?! Manchmal sind es eben nur ein oder zwei Rennen, manchmal auch vier oder fünf Rennen.

Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Es hätte ja auch ganz anders kommen können. Depot 5 (Galopprennen.info) trifft zwischendurch doch zwei oder drei ganz hohe Dreierwetten und wäre damit ganz vorn gewesen. Und dann hätte man den vorstehenden Text komplett neu schreiben müssen. Wäre das möglich? Aber ja, denn Glück gehört zum Wetten eben dazu. Wäre das aber auch (statistisch) wahrscheinlich? Eher nicht – so meinen wir.

Und wie lautet nun das Fazit?

Wir sagen: Gewinnen beim Pferdewetten ist schwer, aber nicht unmöglich!

Zum Schluss möchte sich die Turftreff-Redaktion bei allen Teilnehmern für das Mitspielen bedanken. Manchmal war es ja auch richtig Stress, immer bis 12.00 Uhr alle Tipps fertig zu haben. Ganz besonderer Dank gilt der Betreuerin von Depot 4 (Rennstall.net) für ihre immer ebenso fundierten wie originellen Kommentare zu ihren Wett-Tipps. Das war ja fast schon ein Bewerbungsschreiben für die Fachpresse ...

Für 2005 plant die Turftreff-Redaktion ein neues Spiel im WETT-DEPOT, das sicherlich in etwas anderer Form ablaufen wird. Ideen und Vorschläge nehmen wir unter info@turftreff.de gern entgegen.

Zum Schluss folgt nun die korrigierte Abschlusstabelle:

Sieger
Depot 2 (Turftreff.de)
Einsatz € 12467,00 / Verlust € - 734,45 / Verlustquote – 5,89 %
keine Wettnieten
Verbleibendes Wett-Guthaben: € 9265,55

Zweiter
Depot 4 (Rennstall.net)
Einsatz € 11587,00 / Verlust € - 1955,05 / Verlustquote – 16,87 %
keine Wettnieten
Verbleibendes Wett-Guthaben: € 8044,95

Dritter
Depot 3 (Turfnachrichten.de)
Einsatz € 16456,00 / Verlust € - 2816,35 / Verlustquote – 17,11 %
Wettnieten (lt. Abs. 7 der Spielregeln): € 1300,00
Verbleibendes Wett-Guthaben: € 5883,65

Vierter
Depot 6 (Galoppwelt.de.vu)
Einsatz € 13724,00 / Verlust € - 5085,80 / Verlustquote – 37,06 %
keine Wettnieten
Verbleibendes Wett-Guthaben: € 4914,20

Fünfter
Depot 1 (Galopp3000.de)
Einsatz € 10868,00 / Verlust € - 5887,70 / Verlustquote – 54,17 %
Wettnieten (lt. Abs. 7 der Spielregeln): € 368,00
Verbleibendes Wett-Guthaben: € 3744,30

Sechster
Depot 5 (Galopprennen.info)
Einsatz € 11747,00 / Verlust € - 6614,10 / Verlustquote – 56,30 %
Wettnieten (lt. Abs. 7 der Spielregeln): € 519,00
Verbleibendes Wett-Guthaben: € 2866,90